Weiblich, symptomfrei, jung – der typische Superspreader?

Medienschau vom 24. Juli 2020

Seit Wochen ist bekannt, dass „Superspreader“ bei der Epidemie eine entscheidende Rolle spielen: Menschen, die besonders viele andere Menschen anstecken, oder Situationen, in denen besonders viele Ansteckungen geschehen. Jetzt kristallisieren sich mehr Details heraus zum Superspreader. So haben Forscher herausgefunden, dass das Coronavirus im Mai offenbar von einem einzigen Tönnies-Mitarbeiter in der Rinderzerlegung in Rheda-Wiedenbrück im Umkreis von mehr als acht Metern auf mehrere Menschen übertragen wurde. Die begünstigenden Faktoren: niedrige Temperaturen, wenig Frischluft (Tagesschau).

Laut Deutschlandfunk haben dagegen Massenveranstaltungen wie die Anti-Corona-Demo am 16. Mai 2020 in Stuttgart zumindest hierzulande Corona-Infektionen kaum beeinflusst.

In Japan haben Forscher das Profil der Superspreader geschärft: Demnach sorgen vor allem junge Frauen unter 30, ohne Symptome, für die Verbreitung der Viren (Focus).

POLITIK & GESELLSCHAFT

Corona-Warn-App: hat auf Millionen Smartphones mit Android-Betriebssystem wochenlang nur schlecht oder gar nicht funktioniert. Zeit

Bilanz: Der Hochmut von Politikern – anfangs in Europa, aktuell in den USA – führt dazu, Corona zu unterschätzen. NYT

WIRTSCHAFT

Roboterbranche: Die Hersteller sehen sich dank der öffentlichkeitswirksamen Robotereinsätze in Krankenhäusern und Supermärkten im Aufwind – Social Distancing gilt als Treiber der Automatisierung –, doch aktuell gibt es einen Dämpfer. SZ

Reisekonzerne: Tui leidet massiv unter der Corona-Krise – und verprellt aktuell Kunden, Reisebüros und Vertriebspartner. SZ

WISSENSCHAFT

Studie: Ältere Kinder verbreiten das Corona-Virus ähnlich stark wie Erwachsene – weshalb die Wiedereröffnung der Schulen kritisch zu sehen ist. NYT

Studie 2: Der Psychologe Steven Taylor hat in Daten zu etwa 7000 Personen aus den USA und Kanada Hinweise auf ein „Covid-Stress-Syndrom“ gefunden – das äußert sich auch als Rassismus. Spiegel

KÖPFE DER WOCHE

Sarah Wiener, prominente Fernsehköchin, hat für ihre Restaurants und den Cateringservice in Berlin Insolvenz eingereicht. Der Grund nach ihren Angaben: Corona. Spiegel

Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte, dämpft Hoffnungen auf einen wirkungsvollen Impfstoff gegen das Coronavirus. Er halte es für durchaus möglich, dass wie bei anderen Coronaviren gar kein Impfstoff gefunden werde, sagte Lauterbach im Deutschlandfunk.

Rolf Karpenstein, Hamburger Rechtsanwalt, schildert sein Misstrauen gegen die Coronapolitik der Bundesregierung: Die Rechtfertigung der freiheitsbeschränkenden Maßnahmen werde jeden Tag fraglicher. Deutschlandfunk

KULTUR

Musikfestivals: Die Prognose ist auch für 2021 düster, zumindest laut Marc Geiger, einem der Gründer des Lollapalooza-Festivals. Variety

Musikfestivals 2: Veranstalter verlegen ihre Bühnen ins Netz, so wie Wacken und Tomorrowland. Stuttgarter Zeitung

Solokonzert: Songwriter Nick ist im Juni ohne Publikum in London aufgetreten, seit Donnerstag wird der Stream dazu verkauft; Tenor des Konzerts laut Zeit: „edle Melancholie“. Zeit

Kinos: Nach und nach öffnen Kinos weltweit wieder für die Pforten – und doch ist alles anders als vor Corona, zeigt die Tagesschau auf Facebook.

ZAHL DER WOCHE

9

Punkte aufwärts vermelden die GfK-Marktforscher für ihr Konsum-Barometer August. Der Sprung auf minus 0,3 Zähler fällt überraschend deutlich aus. Spiegel

CORONA & CO

Auch das Berliner Computerspielfestival A Maze findet in diesem Jahr komplett digital statt. Das Besondere: Alle TeilnehmerInnen treffen sich in Form von bunten Vogel-Avataren im virtuellen Raum. „Geht so die Zukunft?“, fragt der Tagesspiegel.