Miteinander online musizieren klappt nicht gut

Ist die Corona-Krise für die Branche und euer Unternehmen eher eine Chance oder Katastrophe? Das haben wir Michael Schumacher, Mitinhaber der Musikschule Auftakt in Hürth, gefragt.

Die Musikschule Auftakt im alten Kloster in Alt-Hürth

Wie hat sich Deine Branche in der Covid-19-Krise entwickelt?

Michael Schumacher: Mit dem Online-Unterricht ist ein (nicht ganz) neuer Aspekt hinzugekommen oder im Rahmen der Möglichkeiten optimiert worden. Ich denke aber, dass Corona auch gezeigt hat, dass der Online-Unterricht den „Face-to-Face-Unterricht“ nicht ersetzen kann, aber natürlich in Zukunft eine Rolle spielen kann, wenn der Präsenzunterricht nicht möglich ist. So habe ich z.B. einen Kunden, der immer wieder mal auf Geschäftsreise ist. Bislang haben wir den Unterricht in dieser Woche ausfallen lassen und später nachgeholt. In Zukunft werden wir den wöchentlichen Turnus durch Online-Unterricht beibehalten können, den er dann von unterwegs aus nach Absprache wahrnimmt.

Wo liegen die größten Probleme?

Michael Schumacher: Die größten Probleme liegen beim Onlineunterricht darin, dass das Musizieren miteinander durch die Zeitverzögerung nicht gut funktioniert. Ein weiteres sehr großes Thema ist die leider z.Zt. durch Abstandsregel und benötigte Quadratmeterzahl auf Eis gelegte Ensemblearbeit. Unsere Orchester haben bislang lediglich in kleinen Gruppen (Register) geprobt. Das Zusammenspiel im Tutti fehlt hier allen Beteiligten. Im Online-Unterricht war das zum Teil sehr instabile Internet oft eine wirkliche Herausforderung, die lediglich dadurch zu meistern war, weil Schüler, Eltern und Lehrer/innen sich darauf eingelassen haben und guten Willens waren. Dafür sind wir als Musikschulleitung sehr dankbar.

Was wird getan, um sich in der Krise zu behaupten?

Michael Schumacher: In der ersten Woche nach Schließung Mitte März mussten wir uns erst einmal sortieren und konzeptionell aufstellen. Das hieß zunächst, das Know How unserer LehrerInnen auszuschöpfen und die Kollegen/innen in die Entscheidungen und Vorgaben durch das Land NRW einzubeziehen. Damit verbunden war uns eine einheitliche Kommunikation mit den Kunden sehr wichtig. Da es uns wichtig war, sofort bei der Erlaubnis zur Wiederaufnahme des Einzelunterrichts wieder an den Start gehen zu können, haben wir die Zeit des Online-Unterrichtes nicht untätig verstreichen lassen, sondern unser Hygienekonzept für unsere Musikschule vorbereitet, welches wir dann mit Aufhebung des Lock Down sofort beim zuständigen Amt abgeben konnten. So konnten unsere Kollegen/innen und Schüler/innen schnellstmöglich wieder Präsensunterricht anbieten.

Wie hat sich die Krise konkret bei Dir persönlich ausgewirkt?

Michael Schumacher: Ich habe Erfahrung im Online-Unterricht gesammelt, die mich bereichert hat. Leider ist mein komplettes Musizieren neben der Unterrichtstätigkeit zum Erliegen gekommen. Ich hatte dafür sehr viel Zeit mit der Familie, was natürlich auch ein Aspekt ist, der temporär gesehen auch einmal gut tut.

Wie sieht Deine Prognose mittel- und langfristig aus?

Michael Schumacher: Ich glaube, dass man die Folgen für meine Branche noch nicht absehen kann und der „Frachter“ z.Zt. noch mit dem Schub von vor Covid 19 unterwegs ist. Der Motor wird jetzt langsam wieder auf normale Fahrt gebracht, doch man muss immer schauen, ob nicht der nächste  Sturm aufzieht. Ich denke, dass es spannend zu sehen sein wird, wenn die Kurzarbeit, die ja nochmals verlängert werden soll, ausläuft. Haben die Kunden dann noch die finanziellen Möglichkeiten, ihren Kindern oder sich selbst Musikunterricht zu gönnen?! Bis dahin hoffe ich auf eine belebte Wirtschaft und viele Arbeitsverhältnisse, die wieder normalen Status haben.

Ergeben sich aus der Situation neben Risiken auch Chancen?

Michael Schumacher: Ich finde, dass sich in unserer Branche – die ja sehr, ob im Unterricht oder dem Musizieren, auf das gemeinsame Musikerlebnis ausgelegt ist – die Chancen sehr in Grenzen halten. Klar gibt es durch den Online-Unterricht oder auch durch besondere Konzertkonzepte (Autokinokonzert) neue Formate, die auch für eine gewisse Zeit ok sind, aber den direkten Fluss der musikalischen Begegnung für mich nicht in dem Maße aufkommen lassen, wie dies im „Normalfall“ wäre. Sicherlich auch einfach nicht können! Wir sind unseren Kunden sehr dankbar, dass sie die Geduld und Bereitschaft aufgebracht haben, sich auf den Onlineunterricht einzulassen, denn dies ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass wir als Musikschule bislang gut durch diese besondere Zeit gekommen sind.

Wie sagte einmal ein schlauer Mann:

Wer nicht will, findet Gründe – Wer will, findet Wege !!

Biografie Michael Schumacher
Erste musikalische Schritte bei den Musikfreunden Roisdorf, Flügelhornist im Stabsmusikkorps der Bundeswehr, nach Musikstudium auch Dirigent. Hauptamtlicher Trompetenlehrer an der Kreismusikschule Bitburg-Prüm.

Im Jahr 2007 eröffnet Michael die Auftakt Musikschule in Hürth und leitet diese gemeinsam mit Sabine Schmidt. Neben dem Trompetenuntericht und der Organisation des Unterrichtes rund 30 KollegenInnen, veranstaltet Auftakt regelmäßige Konzerte verschiedenster Musikrichtungen und Workshops von Musik bis Malerei. Solistisch sowie auch in verschiedenen Ensembles tätig. Seit 2008 Lehrauftrag und Leitung des Schulorchesters an der Ursulinenschule in Hersel.

Die private Musikschule Auftakt befindet sich in Hürth bei Köln. Mehr Informationen dazu hier.