Manche Kunden halten sich immer weniger an die Richtlinien

Ist die Corona-Krise für die Branche und euer Unternehmen eher eine Chance oder Katastrophe? Das haben wir Florian Högner vom Freispiel in Freiburg, einem Spielecafe mit angeschlossenem Spieleladen, gefragt.

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Die Männer hinter dem Freispiel, Florian und Thomas, mit ihren Spielen.

Wie haben sich die Spielecafes in der Covid-19-Krise entwickelt?

Florian Högner: Das Spielecafe tut sich im Moment noch schwer. Aufgrund der Hygienerichtlinien können wir nur die Hälfte aller Tische aufbauen/nutzten. Zusätzlich sind die meisten Gäste noch sehr zurückhalten bei allem, was in Innenräumen stattfindet, wodurch wir deutlich weniger Gäste als normal haben.

Wo liegen die größten Probleme?

Florian Högner: In den kurzfristigen gesetzlichen Änderungen, auf die wir immer wieder reagieren mussten. Zudem ist es immer schwierig, wenn Kunden von außerhalb von Baden-Württemberg kommen, da die Regelungen je nach Bundesland unterschiedlich sind. Wir mussten viel Zeit in die Recherche nach aktuellen Richtlinien stecken, um rauszufinden, welche Maßnahmen zum jeweiligen Zeitpunkt nötig waren. Aufgrund dessen, dass wir eine Kombination aus Laden und Café haben, haben sich für uns viele Sonderfälle ergeben.

Was wird getan, um sich in der Krise zu behaupten?

Florian Högner: Wir haben unsere Social Media-Präsenz versucht weiter auszubauen und haben zusätzlich einen OnlineShop installiert, um auch während der Krise/Lockdown weiter verkaufen zu können.

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Wie war es für euch ein Hygienekonzept zu entwickeln? Hattet ihr Problem beim Durchsetzen?

Florian Högner: Das erstellen des Hygienekonzept ging relativ gut, da es seitens der Landesregierung und diverser Verbände genügend Vorlagen gab. Probleme beim Durchsetzen hatten wir Anfangs keine. Die Probleme kommen mehr mit der Zeit, da manche Kunden sich immer weniger an die Richtlinien halten. 

Wie hat sich die Krise konkret bei Dir persönlich ausgewirkt?

Florian Högner: Durch die Krise hat sich bei mir relativ wenig geändert, da wir im Laden weiterhin arbeiten konnten. Es haben sich vor allem die Kontakte zu Freunden und Familie während des Lockdown verringert. 

Wie geht das Team mit all dem um?

Florian Högner: Das Team geht sehr gut mit allem um. Wir sind stolz auf unser Team, denn wir konnten uns währende der gesamten Zeit auf das Team verlassen, und es hat großteils die Arbeit im Laden übernommen, nachdem wir wieder öffnen konnten. Dadurch konnten wir auch vermeiden Kurzarbeit anzumelden. 

Wie sieht Deine Prognose mittel- und langfristig aus?

Florian Högner: Mittelmäßig bis gut. Wir hoffen, dass es im Herbst/Winter zu keinem generellen zweiten Lockdown kommt. Sollte es zu einem Lockdown kommen, hoffen wir, dass diese sehr regional auf einzelne Städte beschränkt sind und Freiburg mit Glück verschont bleibt. Für den Verkauf sieht die Prognose ganz gut aus, da wir hier eine deutliche Normalisierung spüren. Für das Cafe wird es wohl noch eine Weile dauern, bis sich alles normalisiert hat. 

Ergeben sich aus der Situation neben Risiken auch Chancen?

Florian Högner: Es besteht die Chance, dass viele Menschen wieder mehr spielen, da sie mehr Zeit zu Hause verbringen. Viele Familien spielen dann plötzlich wieder Brettspiele und sind begeistert davon. Wir hoffen, dass dieser Trend ein nachhaltiges Wachstum für den Brettspielmarkt mit sich bringt. 

Die größte Spielemesse, die Spiel, wird 2020 rein digital stattfinden. Was bedeutet das für euch?

Florian Högner: Das ist für uns auch ein großer Blick in eine Glaskugel. Generell ist es für uns natürlich erst mal mehr Aufwand, da wir uns überlegen müssen, was wir selbst durchführen/machen können. Wir können dabei aber nicht abschätzen, wie viele Interesse an solchen lokalen Veranstaltungen besteht. Eine Chance kann natürlich sein, dass viele ihr geplantes Budget für die Messe dieses Jahr im Fachhandel ausgeben. Aber wir befürchten, dass vor allem die großen Online-Händler von der digitalen Messe profitieren werden. 

Das Freispiel befindet sich in Freiburg. Mehr Informationen dazu hier.