Kinder zeichnen ihre Welt

Der Thüringer Weltumradler Axel Brümmer veröffentlicht die weltweit erste Sammlung von Hunderten von Kinderzeichnungen aus 30 Ländern. Wir interviewten Axel am Telefon, kurz vor der Ausstellungseröffnung im Netz.

Axel BrĂĽmmer sammelt Kinderzeichnungen fĂĽr eine Ausstellung. Das Bild wurde in Indonesien vor der COVID-19-Krise aufgenommen.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, Kinderbilder auszustellen?

Axel Brümmer: Als 1989 die Berliner Mauer fiel, nutzten Peter Glöckner und ich unsere neu gewonnene Freiheit aus der DDR zu starten und brachen auf zu einer Reise, wie sie heute kaum noch möglich ist. Wir fuhren ohne Handy oder GPS und ohne Internet und beschränkten unsere Kontakte zur Heimat auf wenige Briefe. Über fünf Jahre sollte diese einzigartige Fahrradreise dauern. Jahre, in denen sich die emotionalen Bindungen hauptsächlich auf die zahlreichen Kontakte zu Einheimischen am Wegesrand konzentrierten. Bindungen, die bis heute kaum etwas in ihrer Intensität nachgelassen haben.

Anlässlich des 30 jährigen Mauerfalljubiläums sind die Erinnerungen an die damalige Reise so stark gewesen, dass wir die unzähligen Kontakte anschrieben und mit ihren Familien und tausenden Tagebuchseiten im Gepäck, 30 Jahre später zu Menschen reisten, die uns besonders wichtig geworden sind, in Gegenden, die uns nachhaltig faszinierten oder auf Pfaden, die uns damals verschlossen blieben.

Wir grĂĽndeten das Weltsichten Festival und zeigten unsere Erlebnisse den Menschen in ThĂĽringen.

Ich bekam 30 Jahre lang in 163 Ländern, die ich mit Fahrrad, Kajak, Traditionssegler bereiste, so viel von der Welt, der Natur und den herzlichen Menschen, geschenkt. Nun ist es Zeit, dem noch mehr Zeit, Kraft und Ideen zurückzugeben und eine Ausstellung zu organisieren!

Wie hat Dich die COVID-19-Krise getroffen?

Axel Brümmer: Unsere Multivisions-Shows sind komplett ausgefallen, die ganze Eventbranche liegt brach. Dafür hatte ich auf einmal Zeit mir etwas neues auszudenken, jetzt wo auch die ganzen Reisen ausfallen. Normalerweise wäre ich jetzt schon wieder mit Kindern und Jugendlichen in der Welt unterwegs.

Auf meinen Reisen als Abenteurer und Journalist um die Welt sah ich schon vor 30 Jahren viele Probleme. Daraufhin suchte ich viele Projekte auf, um zu helfen und vor allem zu lernen, bis ich 1992 in Bolivien Lydia Wiedamann traf und ihre Visionen erlebte. Das war es! Und so entstand der Verein Saalfeld-Samaipata e.V., der sich um StraĂźenkinder kĂĽmmert.


Nun, nach 28 Jahren Erfahrung und einen gut arbeitenden Verein voller engagierter ehrenamtlicher Mitarbeiter, kam der nächste Schritt – ein globales Netzwerk. Überall auf meinen Reisen traf ich Menschen, die sich in ihrer Heimat engagierten, aber dem einen fehlte es an Mut, dem anderen an Ideen, dem nächsten an Geld usw. Während noch immer Menschen keinen Zugang zu Bildung haben, die Schere zwischen Reichtum und Armut klafft wie noch nie, das soziale Miteinander voller Anspannung ist, unsere Natur kurz vorm „Kippen“… So entstand die Idee für GlobalSocial-Network e.V.

Die Idee fĂĽr die Ausstellung kam aus Indonesien. Und das ist auch ein weiterer Sinn, dass wir nicht nur online ausstellen, sondern die Ausstellung im FrĂĽhjahr 2021 nach Malaysia, Ungarn und Ă–sterreich reist. In ThĂĽringen soll sie ebenfalls gezeigt werden.

Wie viele Einreichungen hattet ihr?

Axel Brümmer: Wir haben bislang über 500 Einreichungen aus mehr als 30 Ländern. Über unsere Webseite kann weiter eingereicht und ebenfalls die Galerie betreten werden. Wir freuen uns auch über Spenden für unsere Hilfsprojekte und natürlich über Berichterstattung jeder Art!

FrĂĽher bist Du selber durch die Welt gefahren mit dem Rad, jetzt bleibst Du hier, wie geht es Dir damit?

Axel Brümmer: Ich habe bereits vor 2 Jahren beschlossen nicht mehr zu reisen und mich nur noch um die Vereine zu kümmern und deutsche Kinder mitzunehmen. Vor Ort 4 Augen Gespräche zu führen, das ist die Basis unserer Arbeit. Aber sowohl wegzufahren als auch die Vor Ort zu sein, funktioniert gerade nicht.

Ergeben sich aus der Situation neben Risiken auch Chancen?

Axel Brümmer: Die Projektreisen werden jetzt schon um 1 Jahr verschoben. Da wird gerade Zeit für andere Gedanken frei. Das Multivisions-Festival soll nach jetzigem Stand Ende Februar 2021 stattfinden. Natürlich unter Hygieneauflagen und mit 25% der üblichen Besucher. Überhaupt werden wir mit und unter Auflagen weitermachen. Und alles wird sich normalisieren. Wir müssen die Zähne zusammenbeißen und vernünftig weitermachen. Schließlich haben wir weltweite Verantwortung.

Reise-Chronik

• Weltsichten (1990-1995) – In 5 Jahren mit dem Fahrrad um die Welt

• Australien (1997) – Grenzenlose Weite

• Amazonas (1998 bis Heute) – Mit dem Paddelboot zwischen Titicacasee und Atlantik

• Indien (2000) – Mit dem Fahrrad im Monsunregen

• Marco Polo (2001) – Auf Marco Polos Spuren. Mit dem Fahrrad von Venedig nach Peking

• Marco Polo (2002-2006) – Marco Polo. Die Rückreise / Das Dschunken-Projekt

• Pedro Cabral (2007-2008) – Mit der Dschunke nach Brasilien

• Brasilien & weitere Länder Südamerikas (1992 bis Heute) – Verschiedene Projekte in Südamerika

• Weltreise mit Familie (2016 bis heute) – Mit ihren Familien reisen sie auf den eigenen Spuren der Weltumradlung und mit den „alten“ Tagebucheintragungen im Gepäck erneut durch die Welt um zu schauen was sich seit damals verändert hat.

Die Internetpräsenz der Online Ausstellung findet ihr hier.

Der Trägerverein hinter der Ausstellung kann hier unterstützt werden.