Deutschland, das Land der Verschwörungsgläubigen

Medienschau vom 22. Mai 2020

Der Protest gegen Corona-Maßnahmen der Politik wächst, am Wochenende ist unter anderem in Köln eine Demo mit Hunderten Teilnehmern angemeldet – wodurch auch die Bühnen der Verschwörungsgläubigen immer breiter werden. Die DPA erkennt in den Corona-Verschwörungstheorien ein deutsches Phänomen – Hygienedemos gebe es nur hierzulande. Im Deutschlandfunk untersucht der Germanist David Römer die linguistische Trickkiste von Verschwörungstheoretikern. Mit gezieltem Vokabular suggerierten Verschwörungstheorien, „dass hinter der offiziellen Darstellung eine verborgene Wahrheit liegt“. Die Aufklärung darüber könne möglicherweise die ein oder andere Gefolgschaft verhindern. Auf katholisch.de erklärt der Theologe Christoph Urban, warum bestimmte Christen anfällig für Verschwörungstheorien sind. „Sie tragen sozusagen in ihrer DNA bestimmte Vorstellungen von bösen Mächten in sich, die den Glauben zugrunde richten wollen – Apokalypse und Weltende inclusive.“ Der Spiegel porträtiert den Vegankoch Attila Hildmann, der seit Wochen „im Kampfmodus“ sei. Seine Feinde: die Bundesregierung und die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Zeit vermutet, dass das Gerede von geheimen Virologenverschwörung auch auf Fernsehserien wie „The Blacklist“ zurückzuführen ist.

GESELLSCHAFT

Städtebild: Joachim Vossen, Leiter des Instituts für Stadt- und Regionalmanagement in München, zur Frage, ob das Coronavirus unsere Städte für immer verändern wird. Jetzt.de

Städtegeräusche: Die New York Times hat hingehört, wie leise es in Städten geworden ist. NYT

POLITIK

Krisenmanagement: Eine neue Modellrechnung zeigt: Wäre die Schließung der Schulen und Kitas bundesweit nur fünf Tage früher erfolgt, hätte es zu keinem Zeitpunkt mehr als über 1000 Neuerkrankungen am Tag gegeben. DLF

Krisenmanagement 2: Der Staat muss die Verantwortung auf den Einzelnen verlagern – aber klare Vorgaben machen, was im Falle einer Infektion zu tun ist. „Das Leben mit Corona wird ein Leben mit dem Risiko werden – an das ist man aber schon längst aus anderen Bereichen gewöhnt.“ Süddeutsche.de

WIRTSCHAFT

Einzelhandel: Die Erlöse bleiben mau, in den Läden und Lagern türmt sich die unverkaufte Frühjahrsmode – kommt jetzt die Rabattschlacht? Spiegel.de

Börsen: Die Kurse steigen rasant an, und zwar mitten in der Wirtschaftskrise – wie kann das sein? Der Ökonom Mathias Binswanger erklärt’s. Zeit.de

Autobauer: Die Wirtschaftsweisen warnen die Politik vor kurzfristigen Konjunkturpaketen wie Kaufprämien für Autos. Süddeutsche.de

WISSENSCHAFT

Superspreader: Laut einer neue Studie dürften nur zehn Prozent der Corona-Infizierten für 80 Prozent der Ausbreitung verantwortlich sein. Science

Coronavirus-Test: Ärzte haben einen genetischen Test entwickelt, mit Maschinen, die eigentlich zur DNS-Sequenzierung verwendet werden. Reuters

Prognose: Die Weltgesundheitsorganisation WHO glaubt, dass nur noch eine sehr geringe Chance besteht, den Erreger für immer auszuschalten. Merkur.de

Medikamente: Remdesivir soll die Dauer der Erkrankung Covid-19 verkürzen und Leben retten, aber: Viele Patienten der zugrundeliegenden Studie waren noch gar nicht zu Ende behandelt. Tageszeitung

Impfstoffe: Beim britischen Pharmakonzern Astra-Zeneca gehen Großbestellungen für den von ihm und der Universität Oxford entwickelten Impfstoff gegen das Coronavirus ein, darunter von der US-Regierung. NYT

CORONA & CO

Wer kennt es nicht: Video-Konferenzen gehen gefühlt ewig und bei den meisten sieht es im Hintergrund entweder aus, als kämen sie direkt aus einem Einrichtungsmagazin oder als hätte eine Bombe eingeschlagen. Doch Zoom, Skype, Teams und wie sie alle heißen haben in den letzten Wochen ein neues Feature in ihre Videokonferenz-Tools gebaut: den frei wählbaren Hintergrund. Und schon sind Videokonferenzen nur noch halb so langweilig. Wir haben uns einen Überblick über freie Hintergründe verschafft.