C7: Tuba Tuncak: “Aus der Asche wieder auferstehen”

„C7“ nennen wir unseren Corona-Fragebogen, den Künstler, Medienleute, Bekannte und Unbekannte ausfüllen, um ihren Weg durch die Krise zu beschreiben. Diesmal: Tuba, Moderatorin bei WDR Cosmo, Geschäftsführerin einer interkulturellen Eventagentur.

Was überrascht Dich in der Krise?

Ich bin beruflich oft – auch in der Krisenzeit- mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Mich erstaunt am meisten, dass viele Menschen die Maßnahmen entweder nicht verstanden haben oder bewusst ignorieren… Und die Verschwörungstheorien! Da möchte ich den Unterschied zum gesunden Hinterfragen unterstreichen. Bei der Meinungsbildung und -äußerung sollten wir allerdings zuerst unseren Wissensstand überprüfen.

Was mich positiv überrascht: Wegen meiner Tätigkeit bei der Kindersendung bekomme ich oft mit, dass Kinder vernünftigere Fragen zu der Krise stellen als viele Erwachsene.

Was hilft Dir dabei im Lockdown nicht durchzudrehen?

In der ersten Zeit hatte ich mehr Stress, da vieles neu oder anders war und ich mir mehr Angst machte. Inzwischen gibt es sogar eine gewisse Routine in diesem Chaos.

Ich bin ein positiv eingestellter und lösungsorientierter Mensch und jammere nicht gerne, sondern versuche, das Beste aus der Situation zu machen. In meinen Jugendjahren habe ich Not erlebt und bin deswegen wohl auch weiterhin gut konditioniert in Krisenzeiten.

Und nicht stillzustehen oder stehenzubleiben hilft mir enorm! Jede (kleine) Bewegung ist besser als Stillstand. Egal körperlich oder geistig…

Welche Serie/ welches Buch / welcher Film hilft Dir durch die Krise?

Nach der Tagesschau gucken ich und mein Mann Jens abends zusammen oft eine türkische Sitcom, namens Jet Sosyete, was uns herrlich zum Lachen bringt. Die WDR 5 Sendung ,,Satire Delux“ und Heute Show ebenso…

Afro-Pop und dazu zu tanzen tun auch gut. Und ganz wichtig: Vor dem Schlafen ruhige Musik zu hören und sich keine Nachrichten mehr anzuschauen oder anzuhören. 

Was macht Dir Angst?

Dass manche Politiker ihre konsequente Haltung verlassen, weil mit der Zeit viele Wähler*innen ihre Geduld verlieren und die Angst vor wirtschaftlichen Folgen größer wird. Dabei ist es sehr wichtig, die Menschen offen und herzlich aufzuklären, damit alle die Maßnahmen mittragen und wir so schnell wie möglich -nicht aber voreilig- mit der Krise durch sind. Manche Politiker sollten von der neuseeländischen Ministerpräsidentin lernen, wie sie die Notwendigkeit der Maßnahmen der Gesellschaft erklärt und ihre Unterstützung gewonnen hat, auch die Unterstützung der Wirtschaft.

Mir macht auch Angst, dass manche noch nicht mal fähig sind, die grundliegenden gesellschaftlichen Höflichkeitsregeln und Solidarität zu beachten. Aber das Glas sehe ich trotzdem halb voll!

Was gibt Dir Hoffnung?

Der Gedanke, dass alles ein Ende hat und es einen Ausweg gibt, solange wir leben. Unsere Aufgabe ist, das Beste daraus zu machen. Wir leben in einer Wohlstandsgesellschaft, vielleicht überdenken wir unsere Prioritäten im Leben und lernen dadurch besser schätzen, was wir haben.

Ich möchte gerne ein Erlebnis von mir mit Euch/Ihnen teilen:

Ich habe neben meiner journalistischen Tätigkeit eine Projektagentur in Köln, die im Kultur- und Bildungsbereich tätig ist. Diese Branchen leiden bundesweit ebenso unter der Corona-Krise.

Mein Vermieter, ein ehrenvoller Mensch m.E., hat wegen der Krise meine Miete reduziert, obwohl ich ihn nicht darum gebeten hatte! Das war ein echtes herzliches Solidaritätszeichen, was mir Hoffnung gegeben hat.

Die Welt 2021

Spannend!… Wir müssen möglicherweise aus der Asche wieder auferstehen. Abwarten und sich vorbereiten! Das ist das Einzige, was wir jetzt tun können…

Was hast Du ganz persönlich aus dieser Krise gelernt?

  • Meine sozialen Kontakte besser zu schätzen und pflegen. Ich kommuniziere z.B. mit meinen Freunden weltweit noch regelmäßiger als früher.
  • Jeden kostbaren Moment besser wahrzunehmen.
  • Ich habe festgestellt, dass es richtig war, mich beruflich facettenreich aufzustellen. Denn das dient einer übersichtlichen Risikoverteilung.
  • Und dass die eigentliche Stärke in uns liegt. Manchmal muss ich wie viele andere umdenken, nach neuen Lösungen suchen, aber es geht weiter. Wenn auch mit kleinen Schritten. Das ist das Wichtigste momentan. Und das Leben besteht aus Momenten, wie wir alle wissen….

In ihrer interkulturellen Agentur Tubito setzt Tuba Projekte auf deutsch und türkisch um. Die Kölnerin arbeitet ebenfalls als Producerin bei WDR 5.

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