C7: Judy Horney: “Diese Krise verfolge ich als Zuschauer”

„C7“ nennen wir unseren Corona-Fragebogen, den Künstler, Medienleute, Bekannte und Unbekannte ausfüllen, um ihren Weg durch die Krise zu beschreiben. Diesmal: Judy Horney, Drehbuchautorin.

Was überrascht Dich in der Krise?

Das Präventions Paradoxon. Also, dass Leute nun denken, es ist ja gar nicht so schlimm gekommen, wie die ganze Zeit gesagt wurde, deshalb waren alle Maßnahmen übertrieben. Vielleicht ist es meine selektive Wahrnehmung: Ich sehe seit den Lockerungen täglich Leute auf der Straße, die sich zur Begrüßung umarmen. Da denke ich dann: Das Virus wird nicht weggehen, nur weil ihr keinen Bock mehr drauf hat.
Aber gut, vielleicht bin ich auch ein Drosten-Groupie und seinen Aussagen verfallen.

Was hilft Dir dabei, im Lockdown nicht durchzudrehen?

Ich war nie richtig davor. Die Krise hat nicht so riesige Auswirkungen auf mein Leben. Ich sitze nach wie vor an meinem Schreibtisch und schreibe. Allerdings hat mich die Monotonie und Reizunterversorgung dann doch einmal so kirre gemacht, dass ich mir nachts die Haare gefärbt habe.nSo habe ich dann am nächsten Morgen mal jemand Neues im Spiegel gesehen.

Welche Serie/ welches Buch / welcher Film hilft Dir durch die Krise?

Ich gucke viele Dokus. Tiger King, Surviving R Kelly, Untouchable – The Inside Story of the Harvey Weinstein Scandal. Das waren alles so kranke Stories, die Corona fast noch getoppt haben. Generell gucke ich aber auch ohne Corona gerne Dokus.

Was macht Dir Angst?

Ich würde eher von Sorge als von Angst sprechen. Sorgen macht mir eine zweite Welle. Ich fürchte, dass das viele nicht verkraften werden und noch mehr Unruhe reinbringen wird. Mir fällt gerade ein: Ich habe doch ein bißchen Angst – und zwar beim Inlineskaten auf’s Maul zu fliegen. Ich hätte momentan gar keine Lust auf Krankenhaus. Oder Zahnarzt.

Was gibt Dir Hoffnung?

Meine Arbeit. Die gibt mir Stabilität und Struktur. Und meine Freunde, die alle sehr ruhig bleiben und die ganze Situation mit Neugier und Besonnenheit verfolgen. Das zeigt mit was für stabile Menschen ich in meinem Leben habe. Wenn ich jetzt doch noch voll durchdrehen würde, wüsste ich, die wären da.

Die Welt 2021

Wünschen würde ich mir, dass wir in 2021 gelernt haben, dass höher, schneller, weiter nicht der richtige Weg sein kann. Ich befürchte aber, dass viele zurück zum alten Normal wollen, weil es das ist, was sie kennen und ihnen die Flexibilität fehlt sich Neues vorzustellen. 2021 als das Einführungsjahr des Grundeinkommens fänd ich auch super.

Was hast du ganz persönlich aus dieser Krise gelernt?

Ich lerne eher aus persönlichen Krisen. Diese Krise verfolge ich mehr wie ein Zuschauer, mache mir Gedanken dazu und freue mich über die Ruhe.

Judy Horney, Drehbuchschreiberin, Autorin aus Berlin. Kontakt und ihre Homepage